Karriere als Rechtspfleger / Rechtspflegerin
Wenn du dich für Recht und Verwaltung interessierst, aber kein Volljurist werden möchtest, bietet dir der Beruf des Rechtspflegers eine spannende Alternative. Als Rechtspflegerin oder Rechtspfleger arbeitest du eigenverantwortlich bei Gerichten und Staatsanwaltschaften und übernimmst dabei Aufgaben, die traditionell Richtern vorbehalten waren. Du triffst Entscheidungen in eigener Verantwortung und bist nicht an Weisungen gebunden. Der Beruf vereint juristisches Arbeiten mit sicherem Beamtenstatus und vielseitigen Entwicklungsmöglichkeiten.
Aufgaben als Rechtspfleger
Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger nehmen in vielen Bereichen der Justiz zentrale Aufgaben wahr. Sie arbeiten vor allem an Amtsgerichten, vereinzelt auch an Landgerichten und Staatsanwaltschaften.
Typische Aufgaben eines Rechtspflegers:
Grundbuchsachen
- Eintragungen ins Grundbuch, Eigentumsübertragungen, Grundpfandrechte
Nachlasssachen
- Erteilung von Erbscheinen, Nachlasssicherung, Testamentsvollstreckung
Zwangsvollstreckung
- Anordnung und Überwachung von Pfändungen, Zwangsversteigerungen
Registersachen
- Handels-, Vereins- und Genossenschaftsregister
Betreuungssachen
- Entscheidungen in rechtlichen Betreuungsverfahren
Insolvenzverfahren
- Mitwirkung bei der Abwicklung von Verbraucher- und Regelinsolvenzen
Strafsachen
- Aufgaben bei der Strafvollstreckung, z. B. Gnadenentscheidungen, Bewährungsüberwachung
Rechtsantragsstellen
- Aufnahme von Klagen, Anträgen und Erklärungen rechtsuchender Bürger
Rechtspfleger sind keine Richter, übernehmen aber viele richterähnliche Tätigkeiten mit weitreichender Entscheidungsbefugnis.
Voraussetzungen für Rechtspfleger
Für die Ausbildung zum Rechtspfleger bzw. Rechtspflegerin musst du einige Voraussetzungen erfüllen:
- Schulbildung: Fachhochschulreife oder Abitur
- Staatsangehörigkeit: In der Regel deutsche oder EU-Staatsangehörigkeit
- Persönliche Eignung: Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungsfreude, juristisches Interesse
- Charakterliche Eignung: Keine Vorstrafen, geordnete wirtschaftliche Verhältnisse
Bewerbung und Auswahlverfahren für Rechtspfleger
Die Bewerbung zum/zu Rechtspfleger/in erfolgt direkt bei den Landesjustizverwaltungen. Der Ablauf kann je nach Bundesland variieren, enthält aber meist:
- Onlinebewerbung mit Lebenslauf und Zeugnissen
- Schriftlicher Einstellungstest und/oder Assessment Center
- Vorstellungsgespräch
- Ärztliche Untersuchung zur Feststellung der Diensttauglichkeit
Viele Bundesländer starten die Ausbildung jährlich zum 1. September oder 1. Oktober. Bewerbungsfristen liegen meist ein Jahr vor Studienbeginn.
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Ausbildung zum/zur Rechtspfleger/in
Die Ausbildung zum/zur Rechtspfleger/in erfolgt im Rahmen eines dualen Studiums im gehobenen Justizdienst. Sie dauert in der Regel 3 Jahre und findet an einer Fachhochschule für Rechtspflege sowie in Praktikumsstationen an Gerichten und Staatsanwaltschaften statt.
Inhalte des Studiums:
- Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht
- Kostenrecht, Vollstreckungsrecht, Grundbuchrecht
- Methodik der Fallbearbeitung
Abgeschlossen wird das Studium mit der Rechtspflegerprüfung. Mit Bestehen wirst du in der Regel als Diplom-Rechtspfleger/in (FH) in den Justizdienst übernommen.
Aufstiegsmöglichkeiten und Gehalt
Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger werden im gehobenen Justizdienst in die Besoldungsgruppe A 9 eingestuft. Mit Berufserfahrung und Fortbildung sind Beförderungen bis zur Besoldungsgruppe A 13 möglich.
Typische Gehaltsstufen:
- A 9 (Einstieg): ca. 3.200 bis 3.500 Euro brutto/Monat
- A 11: ca. 3.900 bis 4.400 Euro brutto/Monat
- A 13: ca. 4.800 bis 5.500 Euro brutto/Monat
Zudem bestehen Spezialisierungsmöglichkeiten, z. B. als:
- Dozent an der Fachhochschule für Rechtspflege
- Abteilungsleiter im Amtsgericht
- Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft
Fazit
Als Rechtspfleger/in übernimmst du verantwortungsvolle Aufgaben im Justizsystem und arbeitest juristisch auf hohem Niveau – ohne Volljurist zu sein. Du profitierst von einer fundierten Ausbildung, sicheren Karriereperspektiven und einem abwechslungsreichen Berufsalltag mit echtem Entscheidungsspielraum. Wenn du rechtliches Interesse mit Entscheidungsfreude und Verantwortungsbewusstsein kombinierst, bietet dir dieser Beruf ausgezeichnete Perspektiven im öffentlichen Dienst.